Rituale und Magie

Magische Rituale sind in allen Religionen vertreten, und werden nach wie vor in unserer modernen Welt, von vielen als Hilfe zu allen möglichen Problemen angesehen, als Beispiel sei auf die Horoskope verwiesen. Auch im Altertum spielten sie eine wichtige Rolle, in der Kommunikation mit der Gottheit, die in einem ersten Schritt durch einen Götter-Namen bezeichnet wurde - um überhaupt ansprechbar zu sein.

Religions-Geschichte und Ritualistik

"[…] Im Zusammenhang zum Beispiel mit Aktionskunst und weltweiten politischen Protestbewegungen hat seit den 1960er Jahren die performative Dimension kulturellen Handelns stärkere Aufmerksamkeit gefunden. Performanz verbindet abstrakte präskriptive Systeme (beispielsweise Normen) mit dem diffusen Bereich sozialer Praxis: Im Unterschied zum Alltagsverhalten bezeichnet Performanz einen Handlungsmodus, in dem in einem bestimmten Kontext (etwa auf einer Bühne) Beobachten und Agieren miteinander vermittelt werden, wobei die Beobachterperspektive in Ritualen mitunter von metaempirischen Wesenheiten (Göttern) repräsentiert wird.

Ein weiteres Charakteristikum von Performanz ist die Aufhebung der Trennung von Geist und Körper: Körperhaltungen und -bewegungen sind in Ritualen zentral - der stimmliche Vortrag bestimmter Texte etwa ist für Rituale konstitutiv, nicht aber unbedingt ihre geistige Durchdringung. Im Rahmen dieser Entdeckung der performativen Dimension der sozialen Wirklichkeit hat sich in der Religionswissenschaft das Interesse von präskriptiven Systemen wie Theologien zu performativen Sequenzen wie Ritualen verlagert.

Der religionswissenschaftliche Zugang zum Thema "Rituale" schwankt zwischen zwei Zugangsweisen: Deskription und Theorie. Fast jede Darstellung von Religionen beinhaltet die Beschreibung von Ritualen. Gerade die Vieldimensionalität und die Multimedialität von Ritualen machen die Ritualdeskription zu einer schwierigen Angelegenheit, die stilistisches Geschick erfordert. An Ritualen sind oftmals eine Vielzahl von Akteuren beteiligt, die für ihre Aufführung unterschiedliche Qualifikationen benötigen. Die Gestaltung der Rituale-Szenerie umfasst mehrere Ebenen, und Rituale aktivieren zumeist mehrere Sinnesorgane. Für die Ritualbeschreibung hat das zur Konsequenz, dass mehrere Perspektiven (Beobachter/Akteure; Priester/Laien; Frauen/Männer etc.) reflektiert und verschiedene technische Instrumentarien (Text, Ton, Photographie, Kameras) eingesetzt werden müssen. Die verschiedenen Medien sind über das Internet in unterschiedlichen Kombinationen "synthetisch" abrufbar." [Dr. Michael Stausberg, Universität Heidelberg]

Rituale, nicht der Glaube, begründen den sozialen Zusammenhalt innerhalb religiöser Gemeinschaften

 

Rituale, nicht der gemeinsame Glaube, liefern den Zusammenhalt, der religiöse Gemeinschaften über einem langen Zeitabschnitt zusammenhält, sagt einen Penn State Soziologe. "Mitglieder einer Versammlung können vermuten, dass sie einen gemeinsamen religiösen Glauben halten, aber es ist religiöse Rituale, das die Glaubensgemeinschaft begründet und aufrechterhält." sagt Dr. Daniel B. Lee Professor der Soziologie am Penn State Campus DuBois.

"Dieses ist ein wesentlicher Faktor für das Verstehen der sozialen Struktur der religiösen Gemeinden und des Verhältnisses zwischen Rituale und Glauben," bemerkt Lee. "Während eine Einzelperson einen aufrichtigen religiösen Glauben haben kann, hat eine Gruppe keinen allgemeinen Verstand und kann keinerlei Glauben haben. Glaube erreicht seine soziale Relevanz durch Handlungen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Handlungen entstehen, ist Religion sozial bedeutungslos."

Lee stellte heute (24. August) die Veröffentlichung "Über die soziale Bedeutung und Bedeutungslosigkeit der Religion" bei dem jährlichen Treffen der "American Sociological Association" vor. "Viele Religionsgruppen haben nie den Wunsch geäußert, allgemeine Glaubensregeln oder eine Orthodoxie
(Anmerkung: von griechisch "orthós" = "richtig, geradlinig" und "dóxa" = "Lehre, (Gottes-)Verehrung", also zusammen: 'Rechtgläubigkeit')
zu etablieren. Die gelebte Praxis ist typischerweise der entscheidende Punkt, auf den es ankommt", sagt Lee. "Die Mennoniten
(Anmerkung: auch "Altevangelisch Taufgesinnte" bzw. "Alttäufer" genannt; sie stellen eine reformierte christliche Konfession in der Tradition der Täufer da)
und Amischen sind hierfür gut Beispiele. Trotz der weithin bekannten und respektierten Übereinstimmung im Verhalten der zwei Gruppen, sind die religiösen Glaubensvorstellungen einzelner Mitglieder häufig fließend und nicht strukturiert."

Übersetzung von hier.

Performanz

Performative Konstruktionen von sozio-kulturellen Identitäten bei Frauen in Südorissa (Indien)

"Ziel des Forschungsvorhabens ist es zu untersuchen, wie Frauen im indischen Südorissa in verschiedenen sozialen Kontexten an sie herangetragene Rollenerwartungen verstehen, verinnerlichen, legitimieren, zur Schau stellen, modifizieren oder auch zurückweisen. In anderen Worten: es geht um die Konstruktion, Aushandlung und Essentialisierung von sozio-kulturellen Identitäten von Frauen. Die konkreten Untersuchungseinheiten bestehen dabei aus "cultural performances" (Singer), d.h. aus kollektiven Ereignissen unterschiedlicher Art: Rituale im häuslichen Kontext, öffentliche Prozessionen, Jahresfeste, Heil-Rituale etc.

Im Vordergrund stehen dabei zunächst ethnographische Fragen: An welchen kulturellen Performanzen sind Frauen in Südorissa überhaupt beteiligt? Welche eigenen Performanzen haben sie geschaffen? Angestrebt ist also ein genuiner Beitrag zur Ethnographie Indiens. In einem weiteren Schritt soll dem "performativen" Wesen von Identität, Identitätsbildung und -wandel auch auf theoretischer Ebene nachgegangen werden. Identität wird dabei als dynamische, relative und situationsbezogene soziale Größe verstanden, die kontinuierlicher Neuauslegung, Verhandlung und Änderung durch die Akteure unterworfen ist. [Burkhard Schnepel, Beatrix Hauser, Kumar Nayak, Universität Halle]

 

Plädoyer für den Begriff der industriellen Massenkultur

[…]

"Im letzten Jahrzehnt ist das Interesse an einem Gebiet der modernen Lebenswelt gewachsen, das bis dahin weitgehend in einem wissenschaftlichen Niemandsland lag. Dies gilt in besonderer Weise für die Dinge und Zeichen, die als materielles und visuelles Inventar der sozialen Räume der industriellen Moderne vorzufinden sind und mit der Architektur die "objektive Kultur" bilden.
Ein inspirierender Impuls zur beginnenden Erforschung dieses Feldes ergab sich aus den innovativen Perspektivenbildungen der Alltagsgeschichte.(4) Bei Studien, die den lokalbezogenen Raum, die Geschichte "vor Ort", zum Gegenstand hatten, die Themen der Industriegeschichte oder der Industriearchäologie bearbeiteten, entwickelte sich an den entdeckten Spuren, den musealisierten materiellen Artefakten, Fotographien und unerschlossenen Zeugnissen, ein geschärfter Blick auf die großteils außerhalb einer reflexiven wissenschaftlichen Bearbeitung verbliebenen Felder der modernen Zivilisation.(5) Die neue Wahrnehmung führte dazu, dass sich unsere Aufmerksamkeit nicht allein auf die Historizität der Zeichen und deren semantische Kontexte richtete, sondern diese zunehmend als vielschichtig präsente, materielle Hinterlassenschaften der Alltagskultur und somit als Objektivationen des menschlichen Handelns erkannt wurden."

[…]

"In dieser Vermittlungsfunktion gewannen die Praktiker der Werbung weitreichende Bedeutung für die moderne Zivilisation, indem sie in strategischer Absicht attraktive Bilder hervorbrachten, um die Eigenschaftszuschreibungen und Gebrauchswertversprechen des Konsums den potentiellen Käufern gegenüber zunächst verbal und bald vor allem visuell zu präsentieren.
In diesem Konzept der industriellen Massenkultur sind somit die Alltagsrituale und -erfahrungen, die modernen Mythen und Symbole als Teil der Geschichte der Moderne eingeschlossen, ebenso die Folgen des Verbrauchs dieser industriellen Objekte und Ressourcen, wie sie sich als Umweltgeschichte darstellen.(17)"

[…]

Quelle: [Prof. Dr. Wolfgang Ruppert, UDK Berlin]

 

 


 

Eine Beschreibung der Religionen, Götter und Geschichte des   Alten Ägyptens & Israels — Lesenswert und Informativ.