Die Horoskope in der modernen Welt

Kaum eine andere Rubrik in Zeitungen wird offiziell so belächelt und heimlich so gern gelesen wie Horoskope. Ob im Radio, im Fernsehen, im Internet oder in der Presse - Horoskope sind allgegenwärtig, und werden gerne in Zeitungen und Zeitschriften beim Arzt oder Frisör gelesen.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Jahr 2005 lesen etwa 77 Prozent der Bevölkerung Pressehoroskope, davon 15 Prozent regelmäßig. Dabei gibt es nur minimale Unterschiede in den untersuchten Gruppen: Horoskope werden unabhängig von Alter, Berufsgruppe, Schulbildung oder politischer Orientierung etwa gleichhäufig gelesen. Allerdings gibt es geschlechtsspezifischen Unterschiede: etwa 34 % der Männer und 17 % der Frauen, lesen laut Eigenaussage, gar keine Horoskope. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es so gut wie keine Frauenzeitschrift oder Familienzeitschrift ohne Horoskope und kaum eine Männerzeitschrift mit Horoskopen gibt.

Dr. Katja Furthmann hat in ihrer Dissertation etwa 2.800 Texte unter funktionalen, thematischen und formulierungspraktischen Aspekten analysiert. Die Sprachwissenschaftlerin studierte an der Universität Greifswald und der University of Southampton in England die Fächer Germanistik, Anglistik und Kommunikationswissenschaften. Ihre Promotion (erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht -ISBN 3-89971-323-0) am Institut für deutsche Philologie im Fachbereich Germanistische Sprachwissenschaft bei Prof. Dr. Christina Gansel im Bereich Textlinguistik mit dem Titel "Die Sterne lügen nicht. Eine linguistische Analyse der Textsorte Pressehoroskop" wurde mit dem Promotionspreis der Commerzbank Stiftung ausgezeichnet.

In ihrer Doktorarbeit legt Dr. Katja Furthmann unter anderem dar, mit welchen sprachlichen Tricks Horoskope arbeiten, und versucht damit zu begründen, warum sich viele Menschen von Horoskopen so angesprochen fühlen.

"Das zentrale Prinzip bei Horoskopen ist die 'Pseudo-Individualisierung'. Damit wird eine persönliche Bindung bewusst inszeniert." Die Verfasser (zu einem erheblichen Teil Medienagenturen und keineswegs nur Astrologen) von Presse-Horoskopen stehen dabei vor einem Dilemma: "Pressehoroskope erscheinen öffentlich in einem Massenmedium und werden für ein großes, anonymes Publikum getextet. Gleichwohl lesen die Rezipienten das Horoskop, weil sie sich angesprochen fühlen und etwas Persönliches daraus erfahren möchten" "Viele Leser suchen in Horoskopen eine Instanz, die an ihrem Leben Anteil nimmt und ihnen Trost und Beruhigung, Lob und Ermutigung, Bestätigung und Beistand signalisiert."

Dabei unterscheiden sich Aussagen abhängig vom Zielpublikum: "Das Horoskop in einer Zeitschrift, die hauptsächlich von sozial Schwächeren gelesen wird, ruft eher zur Kompromissbereitschaft gegenüber dem Chef auf als das Horoskop in einem Magazin für Gutsituierte. Letzteres rät zum Beispiel dazu, das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen."
Horoskope in Zeitschriften die mehrheitlich auf finanzkräftige Leser zielen enthalten eher den Ratschlag, sich etwas zu gönnen, etwa in Form eines Wellness-Wochenendes. Für die finanzschwächere Leserschaft wiederum gelte: "Verschieben Sie größere Anschaffungen auf später." Damit scheinen Horoskope auch einen Aspekt zu beinhalten der weniger dem auf das Individuum zielt, sondern im Rahmen der Gesellschaftspolitik und sozialen Ordnung eine Rolle spielt.

[Quelle: IDW]

 


Es müssen ja nicht immer Horoskope sein die unser Denken beeinflussen, auch schöne Sprüche können durchaus als Inspiration dienen.

Horoskope — Barnum-Effekt | Forer-Effekt

Der Barnum-Effekt (» Wikipedia), auch Forer-Effekt genannt, stammt aus der Psychologie und bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu akzeptieren.
Der Begriff geht auf den Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum zurück, der ein riesiges Kuriositätenkabinett unterhielt, welches für jedem Geschmack etwas bieten konnte ("a little something for everybody").
Professor Bertram R. Forer gab 1948 vor, einen Persönlichkeitstest mit seinen Studenten durchzuführen. Im Anschluss händigte er ihnen vorgeblich die Auswertungen aus und forderte sie auf, den Wahrheitsgehalt mit Werten von 0 (= trifft gar nicht zu) bis 5 (= trifft sehr gut zu) zu bewerten. Das Ergebnis war, dass der durchschnittliche Student der Auswertung 4,26 Punkte gab.
Groß war die Überraschung, als den Studenten eröffnet wurde,
dass alle den exakt gleichen Text zu bewerten hatten, den Forer aus den Horoskopen einer am Kiosk erhältlichen Zeitschrift
zusammengestellt hatte. Seither wurde der Test - mit dem gleichen Text - unzählige Male wiederholt. Der Durchschnittswert pendelte dabei immer um den Wert von 4.