Scherzgedichte / Sprachspiele

Scherzgedichte sind die poetische Form von literarischem Unsinn. In der Regel besteht eine humoristische Wirkung, die bewusst und ganz offen paradox, albern, witzig, wunderlich oder sonst irgendwie seltsam ist. Scherzgedichte sind besonders üblich im Englischen Sprachraum, vielleicht bedingt durch den typisch absurden Einschlag des Britischen Humors. Einige Schriften der Dadaisten können auch als Unsinnverse in Betracht gezogen werden.

Dunkel war's, der Mond schien helle

Es gibt dieses Gedicht (Scherzgedicht, Sprachspiel) in vielen Varianten und es wird spekuliert, ob Johann Wolfgang von Goethe, Lewis Carroll (der Künstlername von Charles Lutwidge Dodgson, seines Zeichens Mathematikprofessor und der Autor des Buches "Alice im Wunderland" (1865)), Christian Morgenstern oder der sächsische Volksmund der Urheber ist. Die Quellenlage für eine Zuordnung ist allerdings dürftig. Als Spottgedicht enstand es um 1850 und bedient sich auch der Wortspiele (Oxymoron (wie "Vorläufiges Endergebnis", "Hassliebe") bzw. Paradoxon).

Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm 'ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.


Eine Variante zu "Dunkel war's der Mond schien helle", mit netten Illustrationen gibt des beim WDR » Lachgeschichten / Sendung mit der Maus



Das Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel

Wißt ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat’s um des Reimes willen.

Christian Morgenstern



Scherzgedicht

Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.

F. W. Bernstein



Siehe auch: eine übersichtliche Sammlung, nach Kategorien sortiert, die » berühmte Zitate / Sprüche enthält.