Charlemagne (Karl der Große) - Gott trifft die Rechtsanwälte
"25 europäische Außenminister sassen letztes Wochenende am Tisch in Neapel. Aber eine nicht sichtbare Anwesenheit schwob im Raum: Gott. Ein bischen göttlichen Inspiration ist immer handlich, wenn Minister anfangen, über den Verfassungsentwurf der europäischen Gemeinschaft zu argumentieren, aber dieses mal, war es Gott selbst, der das Thema der Debatte war. Denn eine der umstrittensten Fragen ist, ob man einen ausdrücklichen Hinweis auf das Christentum in den Artikel über Werte einschließt, der als Präambel der Verfassung dient."
"Ein britischer Diplomat, der sich abmühte, die Bedeutung der Präambel zusammenzufassen, schreibt, daß sie "bombastisch und anmaßend ist, aber auf den ersten Blick nicht aktiv gefährlich." Wenige andere Leser scheinen fähig, mehr Begeisterung aufzubringen. Herr Giscard d'Estaing hat hoffnungsvoll vorgeschlagen, daß zukünftige Generationen der europäischen Schulkinder die Präambel auswendig erlernen sollten. Aber dieses steht scheinbar im Widerspruch zu Artikel II-4 der Grundrechte, der deutlich vermerkt, daß "niemand durch Folterung oder unmenschliche oder entwürdigende Behandlung oder Bestrafung unterworfen werden darf."
"Der beste Vorschlag in Neapel kam von der finnischen Delegation. Sie schlugen vor, die gesamte Präambel in den Papierkorb zu befördern. Wenn man darüber nachdenkt, haben nicht einige zurückgebliebende Brummbären vorgeschlagen, gerade das mit der gesamten Verfassung zu tun?" [Dez 4th 2003, The Economist]
Die ambivalenten Auswirkungen digitaler Technologie auf die Demokratie in einer sich globalisierenden Welt
„In der Tat können wir die Frage „Wie beeinflußt Technologie die Demokratie?“ nur beantworten, wenn wir den Charakter und das Wesen der Demokratie selber verstehen: etwas, was zu oft für selbstverständlich gehalten wird. Bevor ich aber den problematischen Versuch mache, Demokratie zu definieren, möchte ich einige Einwände vorbringen, die das allgemeinere Problem der Technologie betreffen – denn auch hier gehen wir oft von zweifelhaften Voraussetzungen aus.“
„Viertens und letztens – obwohl wir über Technologie gern als etwas nachdenken, was die Gesellschaft, von der sie geformt wird, radikal und absolut bestimmend verändert, tendieren neue Technologien zunächst eher zur Widerspiegelung als zur Veränderung der Kultur, die sie hervorgebracht hat. Auf lange Sicht mag es komplizierte Wechselbeziehungen zwischen technologischer Innovation und Zivilisation geben, aber zunächst wird technologische Innovation tendenziell durch den jeweiligen Charakter der Zivilisation bedingt. Der Gemeinplatz besagt, daß das Schießpulver während der Renaissance den Westen demokratisieren half, weil es die Bedeutung der militärischen Kenntnisse des Adels minderte, auf denen die bewaffnete Kriegsführung zu Pferd basierte, und damit die hierarchisch organisierte feudale Kuktur untergrub. Das ist wahr. Aber in China, wo das Schießpulver erfunden wurde, stärkte es die Macht der Mandarine und Tyrannen. Ähnlich förderten der Verbrennungsmotor und die Elektrizität in den Vereinigten Staaten das Automobil und führten zur Entwicklung des privaten Transportverkehrs mit dem entsprechenden System der Interstate Highways ebenso wie zum Wachstum der Vorstädte und der Arbeitsmobilität. In Europa waren dieselben Technologien Anstoß für die Ausbildung eines starken öffentlichen Transportsystems (der Eisenbahn) und für die Stärkung der städtischen Kultur.“
„Die Technologie kann uns nicht vor uns selber retten; sie kann nur sehr deutlich widerspiegeln, wer wir sind.“
„Das Problem besteht natürlich darin, daß es so eine Sache wie „die Demokratie“ schlicht und einfach nicht gibt. Es gibt nur Demokratien – verschiedene Spielarten von Demokratie, konkurrierende Theorien über direkte und indirekte, repräsentative und basisnahe, plebiszitäre und starke Demokratie. Auf welche Spielart beziehen wir uns, wenn wir über den Einfluß der Technologie auf die Demokratie nachdenken? Möglicherweise können Innovationen, die der einen Art dienen, einer anderen schädlich sein. „
„In den Vereinigten Staaten geht man grundsätzlich davon aus, daß Demokratie repräsentative Demokratie ist, also das, was ich „magere Demokratie“ genannt habe, um es von partizipatorischer oder „starker Demokratie“ abzusetzen – einer Regierungsform, die man mehr mit dem dezentralisierten partizipatorischen System der Schweiz assoziiert. In der repräsentativen Demokratie, wo sich die Staatsbürgerschaft auf das Wählen beschränkt, können normale Bürger sich leicht isoliert und an den Rand gedrängt fühlen. Einmal im Jahr ist die Wählerin frei; sie wählt und geht dann nach Hause und beobachtet und wartet! Für den Rest des Jahres führt sie ihr Privatleben als Konsumentin oder Kundin und überläßt ihren gewählten Vertretern das Regieren. Diese blasse und farblose Version der „mageren Demokratie“ begünstigt oft Passivität und Zynismus. Die aktiven Bürger, die sich in ihrer Nachbarschaft, in Städten, Schulen und Kirchen engagieren und dabei soziales Kapitel und staatsbürgerliches Vertrauen entwickeln, können in diesem Nachtwächterstaat schwerlich gedeihen.“ [Benjamin R. Barber; Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Gut zu Wissen – Links zur Wissensgesellschaft – www.Wissensgesellschaft.org]
Demokratie
Siehe auch: Englische Texte zum Thema » hier: über Religion, Kirche und Staat.

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